"Zusatzerkrankungen", die häufig mit ADHS einhergehen.
ADHS und ADS gehen in vielen Fällen mit einer Komorbidität einher - also einer weiteren Erkrankung, die von der ADHS
gefördert bzw. mit beeinflusst wird, aber dennoch als eigenständige Erkrankung erkannt und behandelt werden muss! Wir
wollen Ihnen hier die gängigsten Komorbiditäten bei ADHS vorstellen:
- Angst
- Angstzustände
- Panikattacken
- Allgemeine Ängstlichkeit und Schüchternheit
- Depressionen/depressive Episoden
- Persönlichkeitsstörungen
- Substanzabhängigkeit/Suchtverhalten
- Zwangsstörungen
- Tic- und Tourette-Syndrom
- Bipolare Störungen
- Störung des Sozialverhaltens
- Enuresis (Einnässen/Bettnässen)
Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie fordert in ihren Leitlinien,
dass Begleiterscheinungen/Symptome einer möglichen Komorbidität
dringend fachärztlich abzuklären sind!
Durch ihre erschwerte Kindheit ist bei vielen ADHS-Patienten zu beobachten, dass sie ein geringes Selbstbewusstsein/Selbstwertgefühl
entwickeln. Wie soll ein Kind auch
selbstbewusst werden, wenn es von seiner Umwelt ständig gespiegelt bekommt, dass es anders ist,
nicht dazu gehört und
sowieso irgendwie komisch ist? ADHS-Patienten sind oft emphatisch begabt und nehmen die Eindrücke ihrer Umwelt
wesentlich intensiver und ausgeprägter wahr, als "gesunde" Menschen ohne ADHS. So bleibt es den meisten ADHS-patienten nicht lange verborgen,
dass sie anders und "unnormal/abnormal" sind. Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass ADHS-Patienten z.B. oft eine
Suchterkrankung
entwickeln, da sie "
Trost" in einer Substanz suchen und wenigstens in ihrem Rausch (ausser bei Amphetaminen) ihren Mitmenschen "ähnlich sind".
Etwa
25% aller ADHS-Patienten haben zusätzlich im Sinne einer Komorbidität eine
Angsterkrankung, die sich oftmals in Form von Soziophobien
bzw. sozialen Ängsten äußert. Das ist nicht weiter verwunderlich, wenn Sie sich vorstellen, dass Sie auf einer einsamen Insel ausgesetzt werden,
auf der Menschen leben, die eine andere Sprache sprechen, völlig andere Umgangsformen und eine komplett andere Lebensführung haben, als Sie
es gewohnt sind. Jetzt müssen Sie zusehen, wie Sie auf dieser insel mit diesen Menschen zurecht kommen - da würden Sie auch Ängste entwickeln! Und
so in etwa können Sie sich den Alltag eines ADHS-Patienten vorstellen. Die
Ängste haben ja nach aktuellen Erkenntnissen
der modernen Psychologie eine Funktion: Sie
schützen den Menschen vor etwas, was ihm Angst macht. In diesem Fall ist es
meistens die Angst davor nicht zu genügen bzw. nicht dazu zu gehören. Diese Ängste können häufig im Rahmen einer guten
Psychotherapie bzw.
Verhaltenstherapie behandelt werden.
Bei ca. 20%-25% der ADHS-Patienten ist zusätzlich eine
Depression bzw.
depressive Episoden zu beobachten. Durch geringe
soziale Akzeptanz und häufige Konfilkte innerhalb der Familie fühlen sich viele ADHS-Patienten sozial isoliert und mit ihrer Erkankung
alleine und im Stich gelassen. Auf diesen "fruchtbaren Boden" fällt der Samen der Verzweiflung, dass ADHS eine langwierige psychische
Erkrankung ist, die nicht in kurzer Zeit weggezaubert werden kann und erzeugt so oft Depressionen bzw. depressive Episoden. Hierbei
ist die Diagnostik ein wenig schwieriger, da ADHS-Patienten generell dazu neigen,
Stimmungsschwankungen zu unterliegen. Auch in
diesem Fall ist mit einer medikamentösen Behandlung und einer zusätzlichen Psychotherapie in vielen Fällen mit guten Erfolgen zu rechen